Eingestellt am 11. Juni 2014 · Eingestellt in Eurokrisenbarometer, Markets - Markteinschätzung

Neuland bei der EZB & Handlungsbedarf für Anleger

Bereits im Vorfeld der Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank (EZB) am 5.6.2014 titelte die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands „Zinsschock – Wird heute ein schwarzer Tag für Sparer“. Das dann auf die Fakten folgende Medienecho hätte kaum größer sein können. Unmittelbar nach der offiziellen Pressekonferenz waren Schlagwörter wie „Neuland, Experiment, Marktmanipulation, Strafzins und Enteignung“ zu lesen. Ebenfalls wurde die Brücke von niedrigen Zinsen zu einem konkreten Finanzprodukt geschlagen. So titelte die Bild „Zinsschock – so viel verliert Ihre Lebensversicherung“. Auch Gewinner- und Verliererlisten der Maßnahmen wurden in verschiedenen Medien diskutiert. Neben den Medien gab es natürlich auch ein breites Echo von Volkswirten, Finanzexperten und Finanzbloggern mit verschiedensten (nicht immer gleichgerichteten!) Analysen zu dem geäußerten Mix aus Zinssenkung und geldpolitischen Interventionen. Im Ergebnis wird sich hoffentlich ein steigender Anteil in der Bevölkerung mit den Folgen für seine Finanz- und Ruhestandsplanung auseinandersetzen. Unsere Analyse zu den Maßnahmen der EZB finden Sie im aktuellen Euro-Krisenbarometer https://www.ypos-fp.de/eurokrisenbarometer/euro-krisenbarometer-juni-2014-7170/

Reaktion an den Märkten

Die Aktienmärkte machten einen Freudensprung in die Höhe, wobei besonders die europäischen Peripheriestaaten profitieren konnten. Trotz der bereits im Vorfeld gesunkenen Renditen am Anleihemarkt sind diese nach der EZB Entscheidung nochmals signifikant gefallen. Mittlerweile zahlt Spanien für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren nur noch eine Rendite von 2,621 Prozent und damit weniger als die USA (2,6566 Prozent). Durch die sehr tiefen Zinsen in der Eurozone werden Anlagen in Fremdwährungen wieder stärker nachgefragt. Die Kombination aus Zinsunterschied und gewachsener Zuversicht auf eine anhaltend expansive Geldpolitik in der Eurozone veranlasst Anleger dazu Gelder in der Eurozone aufzunehmen und in höher verzinsten Währungen anzulegen. Das Zinsniveau in Australien oder Brasilien ist bspw. deutlich höher. Durch diese Entwicklung gab der Eurokurs seit der EZB Entscheidung deutlich nach und verschafft der europäischen Wirtschaft eine steigende internationale Wettbewerbsfähigkeit. Ob dies zu einer importierten Inflation führt bleibt abzuwarten. Insbesondere China „exportiert“ deflationäre Effekte.

aktien

Stand: 10.06.2014

 

Welche Renditen können aktuell noch erzielt werden?

Der monatlich erscheinende Inflationscheck zeigt die geschätzten Nachsteuerrenditen für verschiedene Vermögensklassen abzgl. Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag. Aufgrund der starken Marketingpräsenz wird auch der Bereich einkommensorientierte Multi-Asset-Fonds indikativ abgebildet. Je nach Konzept und Ausprägung werden hier verschiedene Vermögensklassen mit relativ hohen laufenden Erträgen kombiniert. Aber auch hier gilt der Grundsatz: Die Verpackung (in diesem Fall der Investmentfonds) kann nicht mehr Rendite generieren, als der Inhalt liefert. 

Renditen

Anleger und deren Berater sollten die verschiedenen Konzepte daher nicht nur aufgrund der historischen Wertentwicklung, sondern aufgrund des Inhalts und der verwendeten Vermögensklassen analysieren. Unabhängig von jeder Marktmeinung bleibt, besonders für festverzinsliche Wertpapiere, festzuhalten, dass die hohen Renditen der Vergangenheit die erwarteten Renditen für die Zukunft reduzieren.

Guthabenkrise wird spürbarer

Was in der Wahrnehmung der meisten Menschen als  historisch „einmalige“ Hypothekenkrise in den USA begann, wurde im Zeitablauf zur Euro- und Staatsschuldenkrise. Spätestens seit dem 5. Juni 2014 werden die Entwicklungen immer deutlicher als Guthabenkrise identifiziert. Schließlich kann der Gläubiger nur die Rendite erhalten, die sich der Schuldner als Zins auch dauerhaft leisten kann.

Die Kritik verschiedener Verbände an der Zinspolitik der Notenbank greift daher wohl etwas zu kurz. Was nützen höhere, dem Ausfallrisiko angemessene Zinsen, wenn der Schuldner diese nicht dauerhaft leisten kann? Die Konsequenz wäre ein teilweiser Schuldenschnitt, der ja auch die Vermögen und Forderungen der Gläubiger entwertet. Ceteris paribus gibt es höhere Zinsen also nur, wenn die Schulden und damit auch die Guthaben zumindest real (also unter Einbeziehung der Inflation) niedriger sind. In diesem Kontext ist der Zinseszinseffekt nicht nur Lösung, sondern auch Problem der Altersvorsorge.

Die Interventionen der EZB und auch die Diskussionen um Bewertungsreserven bei Lebensversicherern sind daher als Begleiterscheinungen des langsamen Übergangs von der globalen Schulden- zur individuellen Guthabenkrise zu sehen.

Eine schematische Darstellung verdeutlicht dies:

Zeitstrahl

Ausgewählte Fragestellungen

Ruhestandsplanung

Kann die für die Sparphase angenommene Rendite nach Kosten und Steuern durch die verwendeten Vermögensklassen überhaupt erreicht werden? Und kann diese durch den Anleger auch realisiert werden?

  • Bei einem Rentenfonds würde sich die Frage des Anteils an den Bewertungsreserven aufgrund gefallener Zinsen gar nicht erst stellen. Gleiche Vermögensklasse, unterschiedliches Produkt (Versicherung vs. Fonds) führt also zu unterschiedlicher Realisierungsmöglichkeit.

Welche Renditen werden für den Ruhestand angenommen und erscheinen diese auf Sicht der nächsten Jahre plausibel? Das heutige Angebot im Versicherungsbereich zeichnet sich durch eine große Vielfalt in der Sparphase aus, aber in der Rentenphase wird wieder der extrem zinsabhängige Deckungsstock verwendet.

  • Alternative bzw. ergänzende Konzepte für die Geldanlage im Ruhestand sind gefragt.

Immobilien & Finanzierung

Die Zinsen sind in den letzten 30 Jahren im Trend gefallen. Dementsprechend haben die meisten der heute aktiven Kreditsachbearbeiter, Finanzberater und Immobilieninvestoren keine praktische Erfahrung mit nachhaltig steigenden Zinsen.

  • Auch wenn es nicht der eigenen Zukunftserwartung entspricht. Was wäre, wenn die Zinsen in einigen Jahren bei 5 Prozent stehen? Die Refinanzierung wäre teurer, Immobilienpreise könnten niedriger sein und die Aufsicht würde von den Banken wahrscheinlich mehr Eigenkapital für Kredite fordern. Diese würden die Bank in Form von zusätzlichen Sicherungswünschen an den Darlehensnehmer weiterleiten. Wie wird dieses Risiko heute durch die Wahl von Zinsbindung, Tilgung und sonstiger Planung berücksichtigt?

 

Saubere Analysen statt Crash-Prophezeiungen

Der mediale Rummel um Strafzinsen und die Enteignung des deutschen Sparers sollte Anleger nicht zu vorschnellen Entscheidungen verleiten. Auch die regelmäßigen Crash- und Weltuntergangsprophezeiungen mögen zwar eine spannende Lektüre sein, aber zu einer nachhaltig strukturierten und erfolgreichen Finanzplanung tragen diese nicht bei. Eine Analyse der eigenen Vermögensstruktur, die Kenntnis der eigenen finanziellen Risikobereitschaft und eine handwerklich sauber umgesetzte Anlagestrategie waren, sind und bleiben die richtigen Antworten auf die aktuellen und zukünftigen finanziellen Herausforderungen.

Wir helfen Ihnen die passende Anlagestrategie zu finden.

Wie Sie genannten Handlungsempfehlungen effizient und unter Beachtung Ihrer bestehenden Vermögensstruktur umsetzen, erläutern wir Ihnen gerne in einem Beratungsgespräch
Jetzt Termin vereinbaren!
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die YPOS Finanzplanung GmbH übernimmt keine Haftung für die Verwendung des vorliegenden Dokuments oder seines Inhaltes. Alle Informationen und Daten in diesem Dokument stammen aus Quellen, die der Herausgeber zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments für zuverlässig erachtet. Trotzdem kann keine Gewähr für deren Richtigkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit und Angemessenheit übernommen werden – weder ausdrücklich noch stillschweigend. Dieses Dokument stellt weder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapiers dar, noch enthält es die Grundlage für einen Vertrag oder eine Verpflichtung irgendeiner Art. Keinesfalls stellt dieses Dokument eine Anlageberatung dar und kann eine solche auch nicht ersetzen. Investitionsentscheidungen müssen auf Grundlage des Verkaufsprospektes erfolgen, der von dem Emittenten genehmigt und bei der zuständigen Wertpapieraufsicht hinterlegt ist. Sie dürfen nicht auf Grundlage des vorliegenden Dokuments erfolgen. Die besprochenen Investments können für den einzelnen Anleger, je nach Risikoklasse, Anlageziel und finanzieller Lage, unpassend sein. Jeder Leser, vor allem jeder Privatanleger, ist dringend gehalten, sich vor jeder Investitionsentscheidung umfassend zu informieren und vor der Erteilung einer Order den Ratschlag der Bank, des Brokers oder des Investment- respektive Vermögensberaters einzuholen. Die YPOS Finanzplanung GmbH ist nicht verantwortlich für Konsequenzen, speziell für Verluste, welche durch die Verwendung oder die Unterlassung der Verwendung aus den in diesem Dokument enthaltenen Ansichten und Rückschlüsse folgen bzw. folgen könnten. Zurückliegende Wert-, Preis- oder Kursentwicklungen geben keine Anhaltspunkte auf die zukünftige Entwicklung des Investments. Die YPOS Finanzplanung GmbH übernimmt keine Garantie dafür, dass der angedeutete Ertrag oder die genannten Kursziele erreicht werden. Es ist möglich, dass die YPOS Finanzplanung GmbH, ein verbundenes Unternehmen, Anteilseigner, Führungskräfte oder Angestellte Käufe oder Verkäufe in einem in dieser Publikation beschriebenen oder damit verbundenen Wertpapieren, Rohstoffen, Fonds oder Unternehmen tätigen oder getätigt haben oder in anderer Weise Anteile an Unternehmen, Rohstoffen oder Fonds dieser Publikation hält. Nähere Informationen enthalten die Hinweise nach § 34b WpHG. Dieses Dokument und die darin enthaltenen Informationen sind in Großbritannien nur zur Verteilung an Personen bestimmt, die berechtigte Personen oder freigestellte Personen im Sinne des Financial Service Act 1986 oder eines auf seiner Grundlage erfolgten Beschlusses sind oder an Personen, die in Artikel 11 (3) des Financial Services Act 1986 (Investment Advertisement – Exemptions) oder 1996 in der derzeit gültigen Fassung beschrieben sind. Anderen Personen oder Personengruppen darf dieses Dokument weder direkt noch indirekt übermittelt werden. Dieses Dokument darf weder direkt noch indirekt in die USA oder Kanada oder an US-Amerikaner oder eine Person, die ihren Wohnsitz in Kanada hat, übermittelt werden, noch in deren Territorium gebracht oder verteilt werden. Die Verteilung dieses Dokuments und der darin enthaltenen Informationen in andere Gerichtsbarkeiten kann durch Gesetz beschränkt sein und Personen, in deren Besitz dieses Dokument gelangt, sollten sich über etwaige Beschränkungen informieren und diese einhalten. Jedes Versäumnis, diese Beschränkung zu beachten, kann eine Verletzung der US-amerikanischen oder kanadischen Wertpapiergesetze oder der Gesetze einer anderen Gerichtsbarkeit darstellen. Verantwortlicher im Sinne des Presserechts: Sönke Liebig Die Reproduktion, Veränderung oder kommerzielle Nutzung des Dokuments und seines Inhaltes ist untersagt und ist ohne vorherige schriftliche Einwilligung seitens der YPOS Finanzplanung GmbH unzulässig. Die YPOS Finanzplanung GmbH kann gegenüber Jedermann jederzeit ohne Angabe von Gründen die sofortige Unterlassung der Weitergabe des Dokuments verlangen. Sofern keine Angaben bezüglich der Quellen von Grafiken gemacht werden, entstammen diese der Quelle presentermedia.com. Urheberrecht Die in diesem Dokument veröffentlichten Beiträge und Grafiken sind urheberrechtlich geschützt. Jede ungenehmigte Vervielfältigung, auch auszugsweise, ist unstatthaft. Nachdruckgenehmigungen kann der Herausgeber erteilen.  
Avatar

Über den Autor

Magnus Lenz, Bankkaufmann, Bankfachwirt (IHK) und zertifizierter Vermögensberater (Frankfurt School of Finance & Management) ist ein erfahrener Wertpapier-, Kredit- und Vorsorgespezialist. 2009 gründete er die Lenz Financial Wealth Management GmbH mit dem Ziel, seinen Kunden eine individuelle und unabhängige Beratung bieten zu können.