Eingestellt am 20. Dezember 2019 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markets - Markteinschätzung

Das Jahr 2019 war ein sehr erfreuliches Jahr. Am Beispiel des US-Aktienmarktes schlagen wir eine Brücke vom Aktienmarkt zur individuellen Einordung auf Anlegerebene.

Es war ein großartiges Jahr für Aktien

Aus Vereinfachungsgründen betrachten wir nur einen Aktienindex (US-Leitindex S&P500). Unterstellt man eine Reinvestition der Dividenden ergibt sich im laufenden Jahr ein Gewinn von 30 Prozent (Schlusskurse 19.12.2019).

Das ist ja schon mal gut. Aber es geht noch besser..

Schmück du den Baum Schatz, ich muss ordern

Wer am Weihnachtstag 2018 investiert hat, der konnte sogar einen Gewinn von knapp 40 Prozent erzielen.

Entwicklung über zwei Jahre

Betrachtet man hingegen die Entwicklung in den vergangenen 24 Monaten, dann stellt man fest, dass ein Großteil der Kursgewinne in 2019 „nur“ die Aufholung der Verluste aus 2018 war. Das kleine „nur“ ist allerdings das größte Problem aller Anleger. Dies gilt nicht nur für private Anleger, sondern auch für professionelle Marktteilnehmer (Fondsmanager und Vermögensverwalter).

Die Kapitalmarktrenditen zu verdienen ist eben nicht so einfach, wie es im Nachhinein aussieht… Schließlich hätte der Markt ja auch beim Stand von minus 20 Prozent weiter fallen können. Wer weiß das schon? Denken Sie mal an die Schlagzeilen zu Beginn des Jahres 2019 zurück.

Zudem ist festzuhalten, dass ein Verlust von 20 Prozent einen Gewinn von 25 Prozent benötigt, um wieder beim Ausgangspunkt anzukommen. Ein Verlust von 50 Prozent benötigt einen Gewinn von 100 Prozent. Sehr starke Verluste „töten“ den Zinseszinseffekt (Compounding).

Schließlich dauert es bei sehr starken Verlusten häufig viele Jahre, um wieder bei dem Ausgangspunkt anzukommen. Noch dazu ist es nicht garantiert. Allerdings sprechen historische Muster und auch wirtschaftliche Logik dafür. Und es gilt für den Markt, aber nicht für prozyklisch handelnde Anleger.

Lohnen sich mehr als 65 Prozent Aktienquote?

Auf der Gesamtvermögensebene lohnt es sich daher nicht, Aktienquoten jenseits der 65 Prozent als strategische Aktienquote zu definieren. Eine starke Abweichung (taktisch) nach oben empfiehlt sich tendenziell nur nach starken Rückgängen am Aktienmarkt.

Doch ohne schriftlichen Investmentplan mit klaren Regeln schafft es erfahrungsgemäß kein Anleger, dann zu kaufen, wenn die Kurse fallen und die Schlagzeilen den Weltuntergang verkünden.

Diesen Investmentplan zu entwickeln, handwerklich gut umzusetzen und dessen konsequente Einhaltung dauerhaft (!) zu sichern ist übrigens der große Mehrwert einer echten Finanzberatung. Der Autor bietet diese Dienstleistung an und ist an diesem Punkt nicht neutral. :)

Welche Perspektive sollten Anleger einnehmen?

Anleger sollten zunächst darauf achten, dass die Aktienquote zu ihrer persönlichen Liquiditätsplanung und sonstigen Zielen passt. Wer weder einen Berater bezahlen, noch selbst die Zeit aufwenden möchte, um eine ganzheitliche Anlagestrategie zu entwickeln, der sollte zumindest darauf achten, dass die sich die Aktienquote innerhalb der Bandbreite der finanziellen Risikobereitschaft befindet.

Da jeder Mensch Risiken anders definiert, gilt es, diesen Begriff mit Leben zu füllen. Dies kann anhand eines wissenschaftlich fundierten Fragebogens erfolgen. Anhand von 25 Fragen ist die Quote und die Bandbreite wachstumsorientierter Vermögensklassen ein wichtiges Teilergebnis.

Hier liegen die finanzielle Risikobereitschaft (59 Prozent), die im Rahmen der Herleitung der Anlagestrategie ermittelte strategische Aktienquote (65 Prozent) und die und die im Depot umgesetzte Aktienquote (60 Prozent) sehr eng beisammen. So sollte es sein.

Der kostenfreie Zugang zu dem Fragebogen kann bei uns angefordert werden.

Im nächsten Schritt ist zu prüfen, ob das eigene Depotergebnis zu der Entwicklung an den Kapitalmärkten passt. Der Zeitraum sollte mindestens drei Jahre betragen.

Im vorliegenden Fall ist ein globaler Aktienindexfonds der Vergleichsmaßstab. Dieser hat ein Plus von 48 Prozent erzieht. Die liquiden Vermögenswerte im Depot haben ein Plus von 32 Prozent erzielt.

Diese 32 Prozent (Depot) sind 67 Prozent von 48 Prozent (globaler Aktienmarkt). Damit hat das Depot die gewünschte Partizipation (65 Prozent) am globalen Aktienmarkt erreicht. So soll es sein.

In der Detailbetrachtung sieht man, dass sich die Aktien im Depot besser als der globale Aktienmarkt entwickelt haben. Der Mischfonds hat sich fast nicht verändert.

Bei der Aktienauswahl hatte man also Glück und war gleichzeitig schlecht diversifiziert. Schließlich waren nur US-Aktien im Depot. Das war der beste der großen Aktienmärkte. Nach vorne blickend wären Europa und Schwellenländer sinnvolle regionale Ergänzungen. Die Beimischung von Value in Sachen Anlagestil zu prüfen.

Der defensive Mischfonds hat sich sehr unterdurchschnittlich entwickelt. Er konnte nicht an der Rally am Rentenmarkt partizipieren. Hier sind Anpassungen erforderlich.

Ergebniswürdigung

Der Anleger möchte eine Aktienquote von 65 Prozent haben. Dies liegt vor. Zudem soll innerhalb der Aktienquote ein Ergebnis erzielt werden, das sich am globalen Aktienmarkt orientiert. Dieses wurde übertroffen. Insgesamt war das Ergebnis gut, aber eindeutig etwas zu einseitig vom Glück der regionalen Aktienauswahl abhängig. Zudem ist der Mischfonds zu ersetzen.

Was bedeutet das für mich?

Die Renditen in einzelnen Aktienmärkten und dem Kapitalmarkt als Ganzes sind natürlich wichtig. Bedeutender für Sie sind allerdings die Entwicklungen in Ihrem persönlichen Depot. Die Anlagestrategie sollte zur persönlichen Risikobereitschaft passen. Zudem sollten Sie in der Lage sein, die historischen Wertentwicklungen Ihres Depots erklären zu können. Damit geht Hand in Hand, dass Sie ungefähr abschätzen können, wie sich Ihr Depot verhält, wenn der Aktienmarkt in der Zukunft um „X“ Prozent fällt oder Gold um „Y“ Prozent steigt.

Über den Autor

Magnus Lenz, Bankkaufmann, Bankfachwirt (IHK) und zertifizierter Vermögensberater (Frankfurt School of Finance & Management) ist ein erfahrener Wertpapier-, Kredit- und Vorsorgespezialist. 2009 gründete er die Lenz Financial Wealth Management GmbH mit dem Ziel, seinen Kunden eine individuelle und unabhängige Beratung bieten zu können.