Eingestellt am 2. Dezember 2019 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markets - Markteinschätzung

Jede Form der Geldanlage, ob Konto oder Aktie, stellt ein Risiko dar. In Abhängigkeit des Risikos erhalten Anleger eine Kompensation in Form von Renditen. Aber sind alle Risiken gleich?

Was ist Risiko?

Auf der einfachsten Ebene müssen Anleger eine Gewichtung zwischen der temporären Schwankung des eingesetzten Kapitals und der Wahrscheinlichkeit einer dauernden Wertminderung vornehmen. Dies kann man jeweils mit oder ohne Inflation betrachten.

Das Kontoguthaben bei einer Bank hat (sofern keine „Strafzinsen“ bzw. Verwahrgebühren anfallen) keine sichtbaren Schwankungen. Allerdings müssen Anleger einen sicheren Verlust an Kaufkraft akzeptieren. Ein global diversifiziertes Aktienportfolio hat sehr hohe Schwankungen. Es bietet aber die Chance langfristig eine nominelle Rendite oberhalb der Inflation zu erzielen. Damit ist der Kaufkrafterhalt bzw. deren Steigerung möglich.

Eine vereinfachte Darstellung dieser Systematik der Risikoprämien zeigt die Grafik.

Selbstverständlich spielt auch der Zeitraum der Betrachtung eine wichtige Rolle. Es wird offensichtlich, dass Anleger nicht nicht anlegen können. Auch Kontoguthaben, das über die Rücklage hinausgeht, ist Ausdruck einer Zukunftserwartung.

Was heißt das in der Praxis?

Je nach gewünschter Funktion in der Vermögensstruktur gibt es also unterschiedliche Vermögensklassen und Instrumente. Im andauernden Anlagenotstand scheinen die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Vermögensklassen und deren Funktion manchmal zu verwischen…

Nehmen wir das Thema Absicherung von Aktien mittels Derivaten. Hier scheint manchmal nicht klar, was und warum eigentlich genau „abgesichert“ werden soll. Die normale Kursentwicklung von Aktien abzusichern erscheint nicht wirklich zielführend, denn dann bleibt von der Risikoprämie der Aktien wenig bis nichts übrig.

Je nach Marktmeinung und Zielsetzung kann dieses Vorgehen (permanente oder fallweise Absicherung) für Teilsegmente des Vermögens sinnvoll sein. Es weist dann aber nicht die Charakteristika eines Aktieninvestments auf. Dies ist insbesondere bei steigenden Kursen relevant. Strategien sind also nicht per se gut oder schlecht, sondern im Kontext des gewünschten Anlageziels zu werten.

Oft gewinnt man auch den Eindruck, dass der Wunsch nach „Absicherung“ sehr stark von den aktuell negativen Kursentwicklungen und den (dann natürlich passenden) Schlagzeilen abhängt.

Wie geht es besser?

Unterstellen wir einen Anleger, der eine strategische Aktienquote (Target) von 65 Prozent definiert hat. Durch die gestiegenen Kurse ist die aktuelle Aktienquote nun auf 85 Prozent (Current) gestiegen.

Unterstellen wir, dass das Depot bereits einen sehr hohen Diversifikationsgrad (=Risikostreuung) aufweist, dann bleiben am Ende nur zwei Möglichkeiten:

  1. Aktienpositionen verkaufen
  2. Eine Absicherung vornehmen

An dieser Stelle sei angemerkt, dass kaum ein Depot diesen sehr hohen Grad an Risikostreuung aufweist. Hier wird leider immer noch sehr viel Potential von Anlegern (insbesondere privaten) verschenkt.

Gleichzeitig besteht aktuell durchaus die Möglichkeit, dass der Grad der Risikostreuung im eigenen Depot massiv überschätzt wird.

Wie könnten Überlegungen zur Absicherung aussehen?

In der ursprünglichen Herleitung der Anlagestrategie (hier nicht weiter beschrieben) wurde ein beispielhafter Verlust in Höhe von 15.000 Euro als noch akzeptabel definiert. Die Gründe dafür können vielfältig sein.

Gesucht ist nun eine Absicherung, die den maximalen Verlust (trotz der gestiegenen Aktienquote) zu einem gewissen Zeitpunkt (hier Juni 2020) ungefähr auf 15.000 Euro begrenzt.

Aus Vereinfachungsgründen wurde hier unterstellt, dass sich die anderen Vermögensklassen (hier 15 Prozent des Depots) bei einem Rückgang nicht bewegen. In der Realität sieht das natürlich aus. Zudem wurde nur eine Absicherung auf den US-Markt unterstellt.

Das Ergebnis zeigt eine Absicherung, die ungefähr dem gewünschten Verlust in Euro entspricht. Diese ist relativ günstig (0,96 Prozent für 6,5 Monate), weil sie so weit aus dem Geld liegt und damit dem natürlichen Charakter von Aktien (zweistellige Schwankungen) Rechnung trägt.

Wir erinnern uns: Es geht hier nicht darum meinungsgetriebenes Market-Timing zu betreiben, sondern das in Euro gemessene Verlustpotenzial konstant zu halten.

Was heißt das für Anleger?

Setzen Sie die richtigen Prioritäten. Zuerst kommt die Herleitung der strategischen Vermögensstruktur, dann eine diversifizierte und effiziente Umsetzung und erst danach sind Überlegungen zur Absicherung anzustellen. Sofern Sie permanent über Ihre Aktienquote nachdenken oder sich durch Schlagzeilen verunsichern lassen, dann passt die Aktienquote einfach nicht zu Ihnen.

Über den Autor

Magnus Lenz, Bankkaufmann, Bankfachwirt (IHK) und zertifizierter Vermögensberater (Frankfurt School of Finance & Management) ist ein erfahrener Wertpapier-, Kredit- und Vorsorgespezialist. 2009 gründete er die Lenz Financial Wealth Management GmbH mit dem Ziel, seinen Kunden eine individuelle und unabhängige Beratung bieten zu können.